Migration, Perzeption und s impurum

Hapax-Belege in Henri Estiennes Deux Dialogues du nouveau langage François, italianizé, et autrement desguizé, [...] (1578)

1. Einleitung

Von den inzwischen zahlreichen Bindestrich-Linguistiken sind mindestens zwei in ganz besonderer Weise mit dem Namen und den Arbeiten Thomas Krefelds verbunden: die Migrationslinguistik (vgl. u.a. Krefeld 2002, Krefeld 2004) und die perzeptive Varietätenlinguistik (vgl. u.a. Krefeld 2005 sowie Krefeld/Pustka 2010a, Krefeld/Pustka 2014). Dass beide Disziplinen eng miteinander verbunden sind und sich bisweilen gegenseitig ergänzen, liegt auf der Hand. Gerade durch Migration entstehen mehrsprachige Gesellschaften, in denen die Mitglieder der autochthonen Sprechergruppe(n) nicht nur ihre eigene(n) Sprache(n) und Varietät(en), sondern auch die Sprache(n) der allochthonen Gruppe(n) – oder auch neu entstehende (Misch)Varietäten – wahrnehmen und bewerten. Gleiches gilt umgekehrt natürlich auch für die Sprecher der allochthonen Gruppe(n).

Im folgenden Beitrag soll am Beispiel des französisch-italienischen Sprachkontakts im 16. Jahrhundert illustriert werden, wie gewinnbringend die Ansätze der perzeptiven Varietätenlinguistik insbesondere auch für die sprachwissenschaftliche Untersuchung vergangener Migrationskontexte eingesetzt werden können.1 Zum Nutzen der perzeptiven Varietätenlinguistik für die Sprachgeschichte vgl. z.B. schon Gruber 2010. Es soll v.a. gezeigt werden, dass Karikaturen des italianisierenden Französisch (françois italianizé) italienischer Einwanderer im Frankreich des 16. Jahrhunderts, wie sie sich z.B. in satirischen Texten damaliger Puristen finden, glaubwürdiger sind, als die französische Sprachgeschichtsschreibung bisher angenommen hat.2 Die folgende Darstellung basiert im Wesentlichen auf Scharinger 2018, 136-152, 297-320, 504-515. Selbst solche Phänomene, bei denen es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Erfindungen der Satiriker handelt, also um sprachliche Erscheinungen, die sich nicht in authentischen Texten nachweisen lassen (Hapax-Belege), können – aus der Perspektive der perzeptiven Varietätenlinguistik – äußerst aufschlussreich sein.

2. Migration, Perzeption und historische Sprachwissenschaft

Wie soeben erwähnt, soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, die perzeptive Varietätenlinguistik für die Analyse eines längst vergangenen Migrationskontextes fruchtbar zu machen. Dass dies mit gewissen Problemen verbunden ist, versteht sich von selbst. So können natürlich weder Sprecher der Migrantengruppe noch solche der autochthonen Gruppe einem auf Stimuli basierenden Perzeptionstest unterzogen werden. Allerdings interessiert sich die perzeptive Varietätenlinguistik nicht ausschließlich für solche sog. Perzeptionsdaten (oder Perzeptionen), sondern auch für sog. Repräsentationen (vgl. den unten zitierten Passus). Diese basieren zwar u.a. auf Perzeptionen, sind aber Teil des Sprachwissens bzw. Sprachbewusstseins der Sprecher und können daher „auch unabhängig von konkreten Perzeptionen abgerufen werden“ (Krefeld/Pustka 2010b, 14).

Es liegt daher nahe, analog zu den phonologischen, syntaktischen und semantischen Repräsentationen, die sowohl sprachliche Realisierungen hervorbringen […] als auch deren Verständnis ermöglichen, die Existenz sprach(en)- und varietätenbezogener Repräsentationen zu postulieren. Diese fließen ebenfalls in die Realisierungen ein und ermöglichen die Wahrnehmung der diasystematischen Markierung der entsprechenden Äußerungen. Über sie kann grundsätzlich auch gesprochen werden […], was für ihre Erforschung äußerst hilfreich ist. In Fällen, in denen die Sprecher die diasystematische Markierung nicht explizit verbalisieren können (oder wollen), ermöglichen es Imitationen und Karikaturen, auf die Repräsentationen zu schließen […].(Krefeld/Pustka 2010b, 11-12)

Wie aus dem oben zitierten Passus hervorgeht, brauchen die Repräsentationen nicht zwangsläufig anhand von Sprecherbefragungen erschlossen zu werden. Es kann dazu ebenfalls – und dies ist für sprachgeschichtliche Studien relevant – auf Imitationen und Karikaturen in Sprachsatiren zurückgegriffen werden. Obwohl es sich dabei im Normalfall nicht um authentische Sprachdaten handelt und bestimmte Merkmale einer Varietät überspitzt dargestellt werden, können satirische Texte wertvolle Hinweise zu zeitgenössischen Varietäten liefern. So hat nach Krefeld 2005, der sich mit Karikaturen in den Stücken der Komödienautoren Molière und Goldoni auseinandersetzte, auch Gruber 2010 am Beispiel von Komödien aus dem Regno di Napoli darauf hingewiesen, dass der Erfolg solcher Sprachsatiren immer davon abhängig ist, ob die karikierte Varietät vom Publikum auch wiedererkannt wird. Nur wenn die übertrieben dargestellten Merkmale grundsätzlich zu den Repräsentationen der zeitgenössischen Hörer passen, können diese die fingierten Daten mit konkreten Varietäten bzw. Sprechergruppen in Verbindung bringen. Letztlich helfen die Karikaturen sogar dabei, die salientesten Merkmale einer Varietät, sog. Schibboleths, zu identifizieren. Diese sind es nämlich, die in den Sprachsatiren am häufigsten begegnen.3 Siehe in diesem Zusammenhang auch den von Gruber 2010 zitierten Beitrag von Schmidt-Riese 1999.

Auch wenn zeitgenössische Repräsentationen also indirekt (ohne Sprecherbefragungen) erschlossen werden können, bleibt im Hinblick auf sprachhistorische Studien ein Problem bestehen, das bisher mehr oder weniger ausgeblendet wurde. Weiter oben wurde festgehalten, dass Repräsentation u.a. auf Perzeptionen basieren. Daneben können sich aber auch außersprachliche Faktoren mehr oder weniger stark auf die Repräsentationen auswirken. Gerade bei Puristen ist anzunehmen, dass ihre Repräsentationen von einer negativen, ablehnenden Haltung beeinflusst sind. In Untersuchungen zur Gegenwartssprache versucht man daher, mithilfe von Perzeptionsexperimenten zu überprüfen, ob die Repräsentationen der Hörer tatsächlich mit ihren Perzeptionen übereinstimmen, um so die Repräsentationen, die auf Erfahrung (Wahrnehmung) beruhen, von denen, die lediglich außersprachlich motiviert sind, zu trennen (vgl. Krefeld/Pustka 2010b, 16). Eine solche Überprüfung ist, wie weiter oben bereits erwähnt, im Rahmen sprachgeschichtlicher Studien freilich nicht möglich. Jedoch kann man sog. Produktionsdaten von Sprechern bzw. Schreibern einer bestimmten Gruppe, deren Varietät in den Satiren aufs Korn genommen wird, analysieren, um festzustellen, ob sich die betreffenden Merkmale tatsächlich in authentischen Sprachdaten nachweisen lassen.

Wenn im Folgenden die Aussagen des Puristen Henri Estienne zum sog. françois italianizé italienischer Einwanderer näher betrachtet werden, wird daher manchmal auch ein Blick auf Produktionsdaten geworfen. Glücklicherweise sind von einigen bedeutenden italienischen Immigranten, darunter etwa auch von Catherine de Médicis (1519-1589), auf Französisch verfasste Briefe erhalten. Sowohl die edierten Briefe (Baguenault de Puchesse/La Ferrière 1880-1943 = Briefe CM) als auch ein Teil der entsprechenden Manuskripte sind im Open Access über Gallica konsultierbar.

3. Hapax-Belege in Henri Estiennes Deux Dialogues (1578)

3.1. Inhalt der Deux Dialogues

Von den zahlreichen Pamphleten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die gegen die Präsenz und den Einfluss italienischer Höflinge am französischen Hof4Zu italienischen Immigranten im frühneuzeitlichen Frankreich vgl. die soziohistorische Studie von Dubost 1997. Speziell zur Präsenz italienischer Immigranten am französischen Hof vgl. Boucher 2007. gerichtet sind und nicht selten auch die fremde Sprache thematisieren, müssen Henri Estiennes (1531–1598)5 Zu Leben und Werk Estiennes vgl. immer noch Clément [1898] 1967. Deux Dialogues du nouveau langage François, italianizé, et autrement desguizé, principalement entre les courtisans de ce temps […] (1578) – nicht nur aufgrund ihres Umfangs – als die bedeutendste Quelle für die Sprachgeschichte betrachtet werden. Wie es der Titel andeutet, handelt es sich dabei um ein in Dialogform verfasstes Werk, dessen Protagonisten nicht nur über den Gebrauch des Italienischen am französischen Hof, sondern auch über eine dort verbreitete vom Italienischen beeinflusste Varietät des Französischen, das françois italianizé, diskutieren. Celtophile (CEL.), das Sprachrohr Estiennes, äußert sich kritisch zum françois italianizé, wohingegen sein Gesprächspartner Philausone (PHIL.) der italianisierenden Mode nicht abgeneigt ist, was sich auch in seinen von Italianismen durchdrungenen Äußerungen bemerkbar macht (vgl. (1)).

(1) PHIL.: Je m’en alles un peu à space, car j’ay ceste usance de spaceger apres le past, et mesmes quelque volte, incontinent apres, quand j’ay un peu de fastide ou de martel in teste.(Estienne [1578] 1980, 73)

Auch wenn im gesamten Werk immer wieder französische Höflinge direkt oder indirekt für ihr italianisiertes Französisch kritisiert werden, wird an mehreren Stellen, insbesondere gegen Ende des Pamphlets, als Celtophile und Philausone den Höfling Philalethe (PHILAL.) aufsuchen, deutlich, dass das von den französischen Höflingen gesprochene françois italianizé ursprünglich auf die italienischen Höflinge zurückzuführen ist, die Schwierigkeiten beim Erlernen des Französischen hatten (vgl. den folgenden Passus (2) sowie (4) weiter unten).6Die Hervorhebungen im Fettdruck in allen folgenden Beispielen stammen von mir.

(2) PHILAL.: Or çà, Monsieur Philausone, pour parler à bon escient, ne considerez-vous pas bien que l’escorchement du langage italien est venu premierement des Italiens qui, par necessité, non pas pour plaisir, entremesloyent leur langage parmi le nostre? Comme il me souvient leur avoir ouy dire quelquesfois: Quand anderons-nous là? Car qui est celuy qui voudroit dire que ce mot anderons fust mis en ce lieu comme ayant quelque garbe (pour parler courtisan) plus que le mot françois «irons»? Et ce-pendant quelque sot François, de ce vice (car je croy que l’ignorance se peut bien appeler vice) voudra faire une vertu.(Estienne [1578] 1980, 439)

Offenbar handelt es sich dabei also um die Lernervarietät einer Einwanderergruppe, die aufgrund des Ansehens und sozialen Status der Sprecher von den französischen Höflingen imitiert wurde. Sie wies sowohl lautliche als auch lexikalische Besonderheiten mit einem hohen Wiedererkennungswert auf.

3.2. Kritik an den Deux Dialogues

Die Deux Dialogues sind der Forschung seit Langem bekannt. Im Gegensatz zu älteren Arbeiten (z.B. Brunot 1906, 203), die den Zeugniswert von Henri Estiennes Schriften weniger kritisch hinterfragen, hat sich in der neueren Sprachgeschichtsschreibung (z.B. Siouffi 2007, 530-531) sowie in den meisten Studien, die sich mehr oder weniger intensiv mit Estienne befassen (z.B. Hope 1971, 148-149 Fn. 4, Swiggers 2003, Sampson 2003, 2004, Colombo Timelli 2008, Balsamo 2009), die Meinung etabliert, dass die Aussagen des Puristen nicht (allzu) ernst genommen werden sollten.

Ohne hier im Detail auf die Kritik an den Deux Dialogues eingehen zu wollen,7Für eine detailliertere Darstellung sei auf Scharinger 2018, 187-216 verwiesen. seien nur zwei Argumente genannt, die immer wieder ins Feld geführt werden, um zu begründen, warum die Beobachtungen Estiennes als wenig glaubwürdig zu betrachten seien. Problematisch sei, dass sich Estienne vor dem Verfassen der Deux Dialogues nicht am französischen Hofe aufgehalten habe und er folglich keine verlässlichen Aussagen zur italianisierten Sprache des Hofes machen könne. Ferner geht man seit der Studie von Trescases 1978 davon aus, dass mehr oder weniger die Hälfte der (angeblich nur) 200 in den Deux Dialogues kritisierten lexikalischen Italianismen Hapax-Belege sind. Der Purist Estienne habe sie für seine Satire frei erfunden. In authentischen Texten, d.h. außerhalb seiner Werke, seien sie in jedem Fall nicht nachweisbar.

Obgleich inzwischen gezeigt werden konnte,8Vgl. dazu ausführlich Scharinger 2018, 187-325. dass Estienne auch andernorts, etwa in Lyon oder Genf, mit einem authentischen – von Italophonen produzierten – françois italianizé in Kontakt gekommen sein konnte und dass Estiennes Leistung als Etymologe dringend einer Neubewertung bedarf – von den insgesamt über 230 (!) als Italianismen ausgewiesenen Lexemen und Wendungen handelt es sich in 170 Fällen tatsächlich um Italianismen, die auch außerhalb der Werke Estiennes belegt sind; in ca. 30 Fällen sind die kritisierten Lexeme als lexikalische Innovationen anderen Ursprungs (etwa als Latinismen oder Okzitanismen, aber auch als französische Bildungen) zu werten –, bleiben Zweifel am Zeugniswert seiner Deux Dialogues bestehen. So stellt etwa noch Balsamo 2019, 159 unter Bezugnahme auf einen häufig – auch im Folgenden – zitierten Ausschnitt9Der Auszug wird hier anders als bei Balsamo 2019, 170-171 nur in Teilen wiedergegeben. aus den Deux Dialogues fest: „Estienne invente en fait ses italianismes“.

(3) Messieurs, il n’y a pas long temps qu’ayant quelque martel in teste (ce qui m’advient souvent pendant que je fay ma stanse en la cour), et, à cause de ce, estant sorti apres le past pour aller un peu spaceger, je trouvai par la strade un mien ami nommé Celtophile. Or, voyant qu’il se monstret estre tout sbigotit de mon langage (qui est toutesfois le langage courtisanesque, dont usent aujourd’huy les gentilshommes francés qui ont quelque garbe, et aussi desirent ne parler point sgarbatement), je me mis à ragionner avec luy touchant iceluy en le soustenant le mieux qu’il m’estet possible. Et voyant que, nonobstant tout ce que je luy pouves alleguer, ce langage italianizé luy semblet fort strane, […], je pris beaucoup de fatigue pour luy caver cela de la fantasie. Mais (pour vous dire la verité), je ne trouves point de raisons bastantes pour ce faire. Et, au contraire, tant plus je m’efforces de luy lever ceste opinion par mes ragionnemens, tant plus luy se burlet de moy, se sentant bien asseuré de son baston, ainsi qu’il monstret. En la fin, voyant que j’aves à faire à si forte partie, et que les repliques me commançoyent à manquer […], j’acceptay fort volontiers pour arbitre Monsieur Philalethe, esperant qu’il y auret quelque domestichesse entre luy et ces mots qu’il oit souvent à la cour, et pourtant me feret scorte. Mais je trouvay que je m’ingannes.(Estienne [1578] 1980, 35-38)

Auch wenn der oben zitierte Textausschnitt aufgrund der Vielzahl an Italianismen gewiss nicht als exemplarisch für das Französische von Philausone gelten kann und selbst einige der auf den ersten Blick recht exotisch wirkenden Italianismen (wie z.B. fr. inganner < it. ingannare) tatsächlich in anderen Texten des 16. Jahrhunderts begegnen, enthält der Passus auch sog. Hapax-Belege, d.h. Italianismen (z.B. fr. strane < it. strano), die offenbar von Estienne zu satirischen Zwecken erfunden wurden. Weder in authentischen noch in anderen satirischen Texten aus dem 16. Jahrhundert scheinen sie – zumindest nach bisherigem Kenntnisstand – belegt zu sein.

Entgegen den etablierten Annahmen sprechen aber selbst diese Phantasiekreationen des Puristen nicht gegen den Zeugniswert der Deux Dialogues. Im Gegenteil: Bei genauerer Betrachtung der Hapax-Belege zeigt sich, dass diese von Estienne offenbar ganz bewusst gewählt wurden.

3.3. Hapax-Belege revisited

Wie weiter oben schon angedeutet, ist die Zahl der echten Hapax-Belege in den Deux Dialogues – anders als oft behauptet – eher überschaubar. Lässt man lediglich ausdrucksseitig italianisierte (Erb)Wörter des Französischen (z.B. ragionner statt fr. raisonner, vgl. it. ragionare)10Dass fr. ragionner sich auch semantisch von fr. raisonner unterscheidet, braucht nicht angenommen zu werden (vgl. Scharinger 2018, 233, Fn. 104). außer Acht, zählt man insgesamt kaum mehr als 30 Lexeme, die nicht außerhalb der Werke Estiennes nachweisbar sind. Zieht man davon noch die Fälle ab, die Estienne selbst mehr oder weniger als Hapax ausweist (vgl. dazu etwa den folgenden Passus (4)), können letztlich nur 26 Italianismen als Eigenkreationen Estiennes betrachtet werden.

(4) PHIL.: Encore me souvient-il d’un autre mot autant ou plus estrange qui est procedé de la mesme racine, mais je ne l’ouy jamais qu’une fois, et non pas de la bouche d’un Francés (pour dire la verité) mais d’un Italien. CEL.: Comment? Vous voulez vous faire prier de le nous dire?[…] PHIL.: Ce mot estet sgarbatement.(Estienne [1578] 1980, 421)

Die folgende Auflistung (vgl. (5)) fasst die in den Deux Dialogues ermittelten Italianismen zusammen, die nicht in authentischen, d.h. nicht-satirischen Texten des 16. Jahrhunderts belegt sind. Lexeme in Klammern werden von Estienne selbst als Hapax ausgewiesen.11Vgl. dazu Scharinger 2018, 297-302.

(5) bugie, bugiarder, callizelle, caver enlever, contrade, domestichesse, fogge, gayoffe, il m’incresce, imbratter souiller, imparer, in ogni mode, indugier, leggiadresse, noye, pocotin, rinfresquant, salvatichesse, (sbigottit), schiave, sciochesse, serviciale clystère, (faire un service décharger son ventre), (sgarbatement), (sgomenté), ((di)smentiguer), aller a space, spurquesse, stenter, strane, straque

Obwohl zahlreiche Stellen in den Deux Dialogues vermuten lassen, dass auch einige der 26 nicht ausdrücklich als Hapax bezeichneten Italianismen von Estienne nicht als im frühneuzeitlichen Französisch tatsächlich verbreitete Lehnwörter angesehen wurden (vgl. (6)), bleibt die grundsätzliche Frage bestehen, zu welchem Zweck Estienne diese fingierten Italianismen verwendete.

(6) CEL.: Oit-on là ce mot aussi dont vous avez usé deux fois, straque? Ce que je vous demande aussi touchant ce mot noye, quand vous avez dict: Cela me donne noye (encore que je sçache bien que l’italien dit ordinairement: Questo mi da noia); pareillement touchant ce mot imbatu. PHIL.: Je vous feray une response generale: que je n’ay rien dict qui ne se die ou ne se puisse dire; car il vous plaira de noter que tant plus nouvelles sont ces nouveautez, tant meilleures on les trouve, et de meilleur goust.(Estienne [1578] 1980, 123)

Dass diese Phantasiekreationen, wie seit Langem behauptet wird, satirischen Zwecken dienten, steht außer Frage. Fraglich ist aber, ob Estienne diese Italianismen wirklich völlig willkürlich gewählt hat. Von der Tatsache abgesehen, dass für sie alle Etyma im damaligen Italienischen vorhanden gewesen wären, sie also zumindest in der Mündlichkeit existiert haben könnten,12Dies gilt im Übrigen auch für sgarbatement < it. sgarbatamente (vgl. Scharinger 2018, 301). weisen die meisten von ihnen ausdrucksseitige Besonderheiten auf, die als typisch für Italianismen gelten können.

So kann etwa das Suffix -esse suff. formateur de subst. exprimant de façon abstr. la qualité désignée par l’adj. de base (vgl. TLFi s.v. -esse 1 suff.) in den Substantiven domestichesse, leggiadresse, salvatichesse, sciochesse und spurquesse als italianisierend betrachtet werden. Zwar war das Suffix im Mittelalter auch noch in Erbwörtern zu finden, im Laufe der Zeit wurde es aber allmählich durch -ité oder -té ersetzt (z.B. afr. duresse > nfr. dureté) und war im 16. Jahrhundert schließlich nicht mehr produktiv (vgl. Huguet [1935] 1967, 120-122). Durch Lehnwörter aus dem Italienischen (z.B. prestesse < it. prestezza) wurde es revitalisiert und begegnete – ganz wie tatsächlich aus dem Italienischen entlehnte Suffixe (z.B. fr. -esque) – zunächst v.a. dort.

Was die Lautung betrifft, so deutet neben dem Erhalt des velaren Plosivs in caver und callizelle (statt der in Erbwörtern üblichen Palatalisierung wie z.B. in chèvre < CAPRA und chanter < CANTARE) auch [ĩ] bzw. [ɛ̃] in il m’incresce, imbratter souiller, imparer, in ogni mode, indugier (statt der in Erbwörtern üblichen Lautung [ɑ̃] wie z.B. in enfler < INFLARE)13Ob in den betreffenden Einzelwörtern, wie z.B. indugier, [ĩ] oder schon [ɛ̃] realisiert wurde, ist nicht von Belang. Die Lautung unterschied sich in jedem Fall von erbwörtlichem [ɑ̃] wie in enfler (vgl. dazu Scharinger 2018, 303). Zum Lautwert von <in> im Französischen des 16. Jahrhunderts vgl. die zahlreichen metasprachlichen Zeugnisse in Thurot 1881-1882, Bd. 2: 477-506. auf fremdes Wortgut hin.14Der Erhalt von /k/ vor /a/ sowie die Lautung [ĩ] bzw. [ɛ̃] < IN- kann grundsätzlich natürlich auch gelehrtem Einfluss geschuldet sein (z.B. candidat, incantation). Am auffälligsten sind aber mit Gewissheit die zahlreichen Italianismen, die mit s impurum anlauten: (sbigottit), schiave, (sgarbatement), (sgomenté), (smentiguer), aller a space, spurquesse, stenter, strane, straque.15Vgl. dazu schon Hope 1971, 585. In französischen Erbwörtern (wie z.B. in étoile < STEL(L)A) wäre wie in der übrigen Westromania ein prothetischer Vokal zu erwarten.

Angesichts dieser Auffälligkeiten scheint Estienne die o.g. Italianismen also ganz bewusst gewählt zu haben. Offenbar wollte er nicht nur darauf aufmerksam machen, dass das françois italianizé der italienischen (und französischen) Höflinge zahlreiche Lehnwörter aus dem Italienischen aufwies, sondern auch darauf, dass Letztere schlecht integriert waren. Die nichterbwörtliche Lautung dieser Italianismen, insbesondere die Vitalität von s impurum, scheint ein Schibboleth des françois italianizé gewesen zu sein.

Während bis heute zahlreiche Italianismen mit -esse (z.B. politesse), [ka] (z.B. caprice) sowie mit [ɛ̃] (z.B. intrigue) erhalten sind, weist die überwiegende Mehrheit der im 16. Jahrhundert ins Französische gelangten Italianismen, deren Etymon – im Standarditalienischen – mit s impurum anlautet, jedoch einen prothetischen Vokal auf (z.B. escorte < it. scorta). Weshalb also zieht Estienne ganz offensichtlich Formen mit s impurum vor?

Gewiss könnte man vermuten, dass Lehnwörter aus dem Italienischen erst allmählich besser integriert wurden und zunächst ohne prothetischen Vokal begegneten. Obwohl einige Italianismen im frühneuzeitlichen Französisch in der Tat sowohl mit als auch ohne Prothese belegt sind (z.B. stafette und estafette), scheinen diese Schwankungen bei der Mehrheit der Lehnwörter aber nicht beobachtbar gewesen zu sein.

Laut Sampson 2003, 2004, der sich in seinen Arbeiten zur Prothese in der Geschichte des Französischen u.a. auch mit den Hapax-Belegen aus den Deux Dialogues auseinandersetzt, sei der nichterbwörtliche Anlaut /sC/ im frühneuzeitlichen Französisch tatsächlich revitalisiert worden, dies sei aber auf gelehrten Einfluss zurückzuführen (z.B. scandal, scrupule). Die meisten Italianismen wiesen nur deshalb einen prothetischen Vokal auf, weil sie entweder über okzitanische oder nord- und zentralitalienische Varietäten, in denen die Prothese z.T. bis heute begegne, vermittelt worden seien. Estiennes Vorliebe für s impurum zeige, dass er weder mit dem gesprochenen françois italianizé noch mit dem damaligen Italienisch, das ja angeblich die Grundlage für die französische Lernervarietät der italienischen Höflinge gewesen sei, vertraut war. Vermutlich habe er für seine Beispiele auf schriftliche Quellen zurückgegriffen: Da im italiano letterario die Prothese im 16. Jahrhundert in der Tat kaum mehr anzutreffen war, habe er dort potentielle Etyma (z.B. strano) für seine fingierten Italianismen (z.B. strane) gefunden. Auffällig sei auch, dass sogar viele tatsächlich belegte Italianismen in Estiennes Pamphlet (z.B. escorte) häufig mit s impurum erscheinen, obwohl diese zum Großteil nicht ohne prothetischen Vokal belegt seien. Das Zeugnis des Puristen könne daher nicht ernst genommen werden.

Nun aber scheinen Estiennes Aussagen auch von anderen französischen Sprachbeobachtern bestätigt zu werden. Im folgenden Passus (vgl. (7)) aus den Memoiren Bassompierres wird das Französische eines italienischen Einwanderers aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts karikiert. Neben Verbformen wie je connaisse und der graphischen Wiedergabe gerundeter Palatalvokale (z.B. seignor, moussou) fällt v.a. der mit s impurum anlautende Italianismus strette auf.

(7) Per Dio, moussou, je ne connaisse Maignat, je n’entende point cela, je ne sais ce que c’est, moussou. […] Gli ministri m’ont donné cette strette et me veulent perdre. […] Seignor, je suis perdu; seignor, je suis ruiné; seignor, je suis misérable.(Petitot/Monmerqué 1819-1829, Série 2, Bd. 20: 32-34, 134, Memoiren Bassompierre)

Bei diesem Substantiv (extraite < it. stretta Problem, Schwierigkeit) handelt es sich nicht um eine Phantasiekreation Bassompierres. Es findet sich auch in anderen Texten des 16. und 17. Jahrhunderts. Obwohl es sowohl mit als auch ohne s impurum belegt ist,16Für weitere Informationen zu diesem Italianismus vgl. Scharinger 2018, 552-553. zieht Bassompierre hier ganz offensichtlich die Form ohne Prothese vor. Ist das Zeugnis Estiennes also doch glaubwürdiger, als bislang angenommen wurde?

Betrachtet man die weiter oben dargelegte Kritik Sampsons genauer, so fällt auf, dass diese möglicherweise etwas zu kurz greift. Im Folgenden sollen diesbezüglich nur zwei Überlegungen näher ausgeführt werden.17Vgl. dazu ausführlicher Scharinger 2018, 309-317.

Den Umstand, dass zahlreiche Italianismen im Französischen des 16. Jahrhunderts einen prothetischen Vokal aufweisen, dadurch zu erklären, dass diese über okzitanische Varietäten ins Französische gelangten, ist durchaus plausibel. Allerdings trifft dies für den von Estienne kritisierten italianisierten Hof wohl eher nicht zu. Dort waren laut Estienne insbesondere die italienischen Höflinge für das Aufkommen und die Verbreitung von Lehnwörtern verantwortlich.

Die Frage ist also, ob in deren Italienisch prothetische Vokale tatsächlich häufiger waren als im damaligen italiano letterario. Wie Dubost 1997, 34 in seiner soziohistorischen Studie zur France italienne gezeigt hat, stammte der Großteil der italienischen Migranten im frühneuzeitlichen Frankreich aus Nord- und v.a. Zentralitalien. Laut Sampson 2003, 2004 seien nun gerade in nord- und zentralitalienischen Varietäten prothetische Vokale verbreitet gewesen. Für seine Aussagen zu norditalienischen Varietäten stützt sich Sampson auf Daten aus Studien zu piemontesischen Dialekten, für jene zu Zentralitalien auf die Ergebnisse seiner Untersuchung von 73 Briefen der aus der Toskana stammenden Alessandra Macinghi Strozzi (1407-1471). Obwohl die Ergebnisse Sampsons nahelegen, dass die Prothese in toskanischen Varietäten in der Tat häufiger begegnete als im italiano letterario, etwa auch nach mehrsilbigen vokalisch auslautenden Wörtern (z.B. potrebbe istare), erlauben sie m.E. nicht, Estiennes Beobachtungen grundsätzlich in Frage zu stellen.

Die Briefe Alessandra Macinghi Strozzis zeigen nämlich auch, dass die Prothese im Toskanischen des 15. Jahrhunderts nicht so produktiv war wie im Französischen, Okzitanischen oder Spanischen. Sie erscheint kaum nach vokalisch auslautenden Einsilbern (z.B. a scrivere vs. fr. à écrire) und nur in etwas mehr als 50% aller Kontexte, in denen sie erwartbar wäre, d.h. v.a. nach konsonantisch auslautenden Wörtern (z.B. per iscritto), aber auch nach mehrsilbigen auf Vokal endenden Wörtern (z.B. potrebbe istare).18Wie die Ergebnisse Sampsons zeigen, begegnet die Prothese v.a. nach Konsonant oder nach Pause (in 82 von 97 möglichen Fällen), seltener nach mehrsilbigen vokalisch auslautenden Wörtern (in 292 von 605 möglichen Fällen). Insgesamt erscheint sie aber nur in 374 von 702 Fällen, also in etwas mehr als 50% der Fälle. Wenn also die Prothese bereits im 15. Jahrhundert nicht (mehr) voll produktiv war, sollte nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie im 16. Jahrhundert weit verbreitet war. Um wahrscheinlich zu machen, dass Estienne tatsächlich falschliegt, sollten in jedem Fall Daten aus dem 16. Jahrhundert analysiert werden, idealerweise von mehr als einem Individuum.

Die Ergebnisse weiterer Studien (vgl. Sampson 2010, 80-96) belegen, dass die Prothese in toskanischen Varietäten im Laufe des 16. Jahrhunderts tatsächlich massiv im Rückgang begriffen war. So taucht sie z.B. in Briefen von Niccolò Machiavelli (1469-1527) oder Michelangelo Buonarroti (1475-1564) kaum mehr auf. Gewiss kann man – wie Sampson 2010 betont – nicht ausschließen, dass sich gebildete Schreiber verstärkt am italiano letterario orientierten, die Prothese in der Mündlichkeit aber vital blieb. Allerdings lässt sich m.E. ebenso wenig ausschließen, dass die Hinwendung zum sog. Standard auch Auswirkungen auf die gesprochene Sprache der Schreiber hatte.

Da ein beträchtlicher Teil der italienischen Migranten in der France italienne aus der Toskana kam, könnte auch in ihrem Italienisch die Prothese eher selten gewesen sein. Angesichts der besonderen Stellung dieser Gruppe – man denke an Catherine de Médicis und ihre Entourage – könnte unter den gebildeten Italienern der France italienne sogar eine toskanisierende Koiné entstanden sein, in der prothetische Vokale kaum mehr anzutreffen waren.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Estiennes Aussagen plausibler, als es zunächst den Anschein hat. Letztlich bleibt aber nur ein Blick auf Produktionsdaten italienischer Einwanderer, um festzustellen, ob in deren Italienisch und folglich auch in deren françois italianizé vermehrt Formen mit s impurum anzutreffen waren oder nicht.

Die Analyse ausgewählter Briefe italienischer Migranten legt nahe, dass die Prothese im Italienischen der France italienne nicht (mehr) vital war.19Vgl. dazu Scharinger 2018, 398-408. In den Briefen des aus der Toskana stammenden Luigi Alamanni (1495-1556) sowie in jenen des Mantuaners Filippo Cavriana (1536-1606) erscheint sie nicht einmal dort, wo sie satzphonetisch erklärbar wäre (z.B. con speranza). Dass im françois italianizé der Migranten s impurum zu hören war, ist daher durchaus denkbar.

Ein Blick auf französische Briefe der Immigranten zeigt schließlich, dass im françois italianizé italienischer Einwanderer s impurum tatsächlich begegnete.20Vgl. dazu Scharinger 2018, 504-515. Im folgenden Ausschnitt aus einem Brief von Catherine de Médicis (vgl. (8))21Die Schreibungen in (8) und (9) orientieren sich an der jeweiligen Handschrift (vgl. Abb. 1 und Abb. 2) und weichen daher in manchen Fällen von der Edition durch Baguenault de Puchesse/La Ferrière ab. erscheint der Italianismus scorte < it. scorta gleich zwei Mal ohne prothetischen Vokal.

(8) […] madame denevers afayst tant de peur ateutte se fammes car aydyst que nous niront pas seuremāt san scorte dartel amesieres que set heun pasetamps de le voyr quant amoy ie delybere dy aystre vanderdy ausoyr si me fault scorte que le chemin ne souit seur ie panse que man anvoyres […](Briefe CM, Bd. 1: 67, Brief vom Juni 1552 an Monsieur le Deuc de Monmoransi)

Brief vom Juni 1552 an Monsieur le Deuc de Monmoransi (BnF FF 3140 [10r]) Gallica (Link zum vollständig digitalisierten Manuskript)

Auffällig ist, dass französische Erbwörter (etwa écrire oder étoile) nie <sC-> aufweisen. Die Befunde decken sich also mit den Aussagen Estiennes: Charakteristisch für das françois italianizé der Italiener ist demnach nicht eine allgemeine Revitalisierung von s impurum, die sich auch in französischen Erbwörtern manifestieren müsste, sondern das gehäufte Vorkommen dieses markierten Anlauts in italienischen Lehnwörtern.

Die weiter oben aufgelisteten Phantasiekreationen Estiennes (vgl. (5)) sind in den untersuchten Briefen nicht anzutreffen. Allerdings findet sich eine äußerst interessante, bislang nicht belegte Form von extraordinaire, die nahelegt, dass es auch zu spontanen Entlehnungen (oder Interferenzen) kam, die s impurum aufwiesen.

(9) afin de povoyr dyre au Roy denaverre qui nanne ryen et quant et quant que neles heuns ny les autres ne menase conpagnye strasordynere(Briefe CM, Bd. 1: 194, Brief vom Mai 1561 an Monsieur le Conestable)

Brief vom Mai 1561 an Monsieur le Conestable (BnF FF 3184 [1r]) Gallica (Link zum vollständig digitalisierten Manuskript)

Diese wenigen Beispiele genügen, um Estiennes Aussagen in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Offenbar ist sein Zeugnis trotz zahlreicher Übertreibungen glaubwürdiger, als bislang angenommen wurde. Im françois italianizé italienischer Immigranten lassen sich sowohl bis heute erhaltene Italianismen als auch Spontanentlehnungen mit s impurum nachweisen. Wenn man zudem berücksichtigt, dass einige Italianismen bis heute keinen prothetischen Vokal aufweisen (z.B. stuc), wäre es durchaus denkbar, dass die Revitalisierung von /sC/ im frühneuzeitlichen Französisch nicht ausschließlich gelehrtem, sondern – wenngleich in geringerem Maße – auch italienischem Einfluss geschuldet war.

4. Fazit

Wie die Untersuchung der Hapax-Belege in Estiennes Deux Dialogues gezeigt hat, sollten aus satirischen Texten gewonnene Sprachdaten also durchaus ernst genommen werden. Auch wenn es sich dabei um fingierte Daten handelt, können diese – wie im Falle Estiennes – ganz bewusst gewählt worden sein, um auf besonders auffällige Merkmale einer bestimmten Varietät hinzuweisen. Gewiss bedürfen solche Daten immer einer kritischen Überprüfung und sollten im Idealfall mit authentischen Daten von Schreibern bzw. Sprechern der karikierten Varietät verglichen werden. Dies macht solche Sprachsatiren aber nicht zu weniger relevanten Quellen. Gerade in der sprachgeschichtlichen Forschung sind sie es, die den Linguisten überhaupt erst auf bestimmte Varietäten, Sprechergruppen und saliente Merkmale aufmerksam machen, die dann untersucht werden können – und andernfalls vielleicht unentdeckt geblieben wären. Man kann Thomas Krefeld und Elissa Pustka (2010b, 21) daher nur beipflichten, wenn sie in ihrer programmatischen Einleitung zur Perzeptiven Varietätenlinguistik fordern: „Der Linguist muss (auch) zuhören“.

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